Wenn Johnny Marr dem britischen Indie der 1980er Jahre sein strukturelles Orchester gab, injizierte John Squire ihm eine wirbelnde, technicolor-mäßige Dosis puren Adrenalins. Als Gitarren-Architekt für The Stone Roses wurde Squire die prägende Klangstimme der späten 80er Madchester-Bewegung. Sein Stil war ein brillanter Widerspruch: Er war tief in den klassischen Rock-Heroiken der späten 1960er verwurzelt, wirkte aber gleichzeitig völlig modern, fließend und maßgeschneidert für die tanzflächennahe Indie-Szene.
Squire spielte nicht nur Rhythmus oder Lead; er verwischte die Grenzen vollständig, indem er kontinuierliche, fließende melodische Hooks hinter den Gesang wob, bevor er in schwebende, ausdrucksstarke Soli ausbrach. Sein Ansatz etablierte die Gitarre als eine mächtige, dominante Kraft in der britischen Alternativmusik neu und bewies, dass man ein ungenierter Gitarrenheld sein konnte, während der Rhythmus in einem ansteckenden, tanzbaren Groove verankert blieb.
Die Gegenrevolution: Keine Soli, nur Symphonie
Um John Squires Spiel zu verstehen, muss man seine zwei Einflüsse betrachten. Einerseits war er besessen von Jimmy Page und Jimi Hendrix und kopierte deren bluesbasierte Fluidität, die fließenden pentatonischen Läufe und den aggressiven Einsatz des Wah-Wah-Pedals. Andererseits war er stark von den kristallklaren Popmelodien von The Byrds beeinflusst. Anstatt diese Stile kollidieren zu lassen, verschmolz Squire sie perfekt miteinander.
Seine Rhythmusarbeit basierte auf sehr rhythmischen, funk-inspirierten Strumming-Mustern, die nahtlos mit den Basslinien harmonierten. Durch den Einsatz fließender, einzelner Notenverzierungen innerhalb seiner Akkordformen hielt Squire die Arrangements ständig in Bewegung und sorgte dafür, dass die Gitarrenlinie selbst bei einfachen Strophenstrukturen lebendig und sich entwickelnd anfühlte.
Die Kernausrüstung: Klimpernde Ricks und Offset-Biss
Squires legendäre Klänge basierten auf einigen sehr spezifischen Ausrüstungsgegenständen, die ihm den Übergang von funkelnden, klaren Melodien zu schreienden psychedelischen Klanglandschaften ermöglichten:
- Die Fender Custom Shop Stratocaster: Ausgestattet mit Single-Coil-Tonabnehmern lieferten seine pinken und bespritzten Strats den prägnanten, artikulierten Mittenbereich und die gläsernen Höhen, die nötig waren, um dichte Basslinien zu durchdringen.
- Die Gretsch Country Gentleman: Auf ihrem Debütalbum ausgiebig verwendet, verlieh dieser Hollow-Body-Gigant seinen Rhythmus-Tracks eine tiefe, resonante und holzige Wärme, die den Studioaufnahmen ein immenses physisches Gewicht verlieh.
Sein bevorzugter Verstärker war ein kraftvoller Fender Twin Reverb oder ein Mesa Boogie MKIII, knapp an der Zerreingrenze eingestellt. Die wahre Magie jedoch befand sich auf seinem Pedalboard. Squire verließ sich stark auf den Ibanez TS9 Tube Screamer für einen sanften, mittendominanten Overdrive, ein Ibanez WH10 Wah für gesangsähnliche Filter-Sweeps und ein analoges Chorus- oder Rotary-Simulator, um seinen Akkorden eine breite, schwebende, dreidimensionale Textur zu verleihen.
Die Kunst des Studio-Layering
Im Studio war Squire ein Perfektionist, der komplexe, mehrschichtige Meisterwerke schuf. Er legte ein knackiges, rhythmisches Akustikfundament, überlagerte es mit einem gläsernen Single-Coil-E-Track und krönte das Ganze dann mit rückwärts abgespielten Gitarrensoli und stark modulierten Lead-Lines.
Die Geheimwaffe: Um eine kaskadierende, kaleidoskopische Klangwand zu erzeugen, leitete Squire seine verzerrten Lead-Lines in ein Vintage-Digital-Delay-Gerät, das auf kurze, makellose Wiederholungen eingestellt war, und manipulierte dann manuell den Feedback-Regler, um einen Ozean selbstoszillierender psychedelischer Texturen zu erzeugen.Dieses Studio-Layering schuf eine unglaubliche Tiefe, die eine ganze Generation britischen Rocks prägte und einen dauerhaften Bauplan für die folgende Britpop-Explosion hinterließ. Heute bleibt diese unverwechselbare Mischung aus Tanzflächenenergie und Retro-Psych-Rock ein grundlegendes Merkmal für alternative Gitarristen weltweit.


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